Betreuungverein Main-Kinzig e.V
Betreuungverein Main-Kinzig e.V

Betreuungsrecht

 

„Was passiert mit mir, wenn ich im Alter oder durch Unfall in meinen geistigen Fähigkeiten eingeschränkt und nicht mehr Herr meiner selbst bin? Wer kümmert sich um mich?“,


so werden sich sicher viele Menschen in einer stillen Stunde einmal gefragt haben. Das ist eine berechtigte Sorge und es ist gut zu wissen, was der Gesetzgeber in einer solchen Situation vorgibt: seit 1992 regelt das Betreuungsrecht die gesetzliche Vertretung von Menschen, die geistig, körperlich und seelisch krank oder behindert sind und ihre Angelegenheiten nicht mehr besorgen können (§1896 BGB). Gebrechlichkeitspflegschaft, Vormundschaft und Entmündigung von Erwachsenen sind mit Einführung des Betreuungsrechts abgeschafft worden.

Das Betreuungsrecht hat einen hohen Anspruch: Betreuer sollen nicht bevormunden, sie sollen in ihrer Funktion als gesetzlicher Vertreter des Betroffenen unterstützen und begleiten. Dabei hat der Betreuer die Wünsche des Betreuten zu berücksichtigen, sofern sie nicht dessen Wohl zuwiderlaufen. Um diesen Ansprüchen gerecht zu werden, ist der regelmäßige persönliche und vertrauensvolle Kontakt zwischen Betreuer und Betreuten von wesentlicher Bedeutung. Sofern der Zustand des Betreuten es zulässt, sollen die zu regelnden Angelegenheiten gemeinsam besprochen werden.

 

Betreuung heißt also durchaus persönliche Zuwendung, nicht gemeint sind  tatsächliche Hilfeleistungen. Dem Betreuer kommt bei der Versorgung des kranken oder behinderten Menschen eine organisatorische Rolle zu. In der Praxis hat der Betreuer nicht die Aufgabe zu pflegen, zu waschen oder zu putzen, aber er muss die Organisation dieser praktischen Hilfen übernehmen. Der Betreuer soll dabei versuchen, die Lebenssituation des Betreuten zu verbessern, aber nur im Rahmen der Wünsche des Betroffenen. Lebensstil und Eigenheiten des betroffenen Menschen sollen akzeptiert werden. Betreuer erziehen nicht! Eine tolerante Haltung gegenüber anderen Menschen ist eine wichtige Betreuereigenschaft.

 

Wichtig zu wissen ist, dass der Betreute weiterhin rechtlich wirksame Willenserklärungen abgeben kann, das heißt er verliert nicht seine Geschäftsfähigkeit. In Ausnahmefällen, wenn der Betreute sich zum Beispiel finanziell selbst gefährdet, kann vom Vormundschaftsgericht ein Einwilligungsvorbehalt für den Aufgabenkreis der Vermögenssorge angeordnet werden. Damit ist der Betreute beschränkt geschäftsfähig und seine Willenserklärungen bedürfen zur rechtlichen Wirksamkeit der Genehmigung des Betreuers.

Der Umfang jeder einzelnen Betreuung und damit die Befugnisse des Betreuers werden individuell in Aufgabenkreisen vom Vormundschaftsrichter festgelegt. Die Aufgabenkreise können je nach Bedarf im Laufe einer Betreuung erweitert oder eingeschränkt werden. Aufgabenkreise können beispielsweise die Gesundheitssorge, die Vermögenssorge, die Entscheidung über Unterbringung oder unterbringungsähnliche Maßnahmen, die Regelung der Wohnungsangelegenheiten, die Vertretung gegenüber Ämtern und Behörden oder die Regelung des Post- und Fernmeldeverkehrs sein. Nur in diesen Aufgabenkreisen darf der Betreuer den Betreuten rechtlich vertreten.  

Wenn es um freiheitsentziehende Maßnahmen, z. B. die Anbringung von Bettgittern oder die Verlegung in eine beschützende (geschlossene) Abteilung geht, wenn die Wohnung gekündigt werden muss oder eine besonders risikoreiche Operation bevorsteht, benötigt der Betreuer für seine Entscheidung die Genehmigung des Vormundschaftsgerichts.

 

Doch wie kommt es eigentlich zu einer Betreuung?
Das Verfahren zur Einrichtung einer Betreuung beginnt, wenn für den Betroffenen eine Betreuung beim Vormundschaftsgericht angeregt wird. Das Gericht ist sodann verpflichtet, den Betroffenen persönlich anzuhören. Weiterhin holt der Vormundschaftsrichter ein medizinisches Sachverständigengutachten und einen Sozialbericht der Betreuungsstelle ein. Auch Familienangehörige werden gehört. Im Mittelpunkt des Verfahrens steht jedoch der Betroffene, er ist stets verfahrensfähig, das heißt, er kann beim Amtsgericht Anträge stellen und Beschwerde einlegen.

Der Betroffene kann auch Vorschläge unterbreiten, wer der Betreuer werden soll. Für den Richter sind die Wünsche des Betroffenen bei seiner Entscheidung von großer Bedeutung. Sollte es dem Wohl des Betreuten nicht zuwiderlaufen, wird der Vormundschaftsrichter seinen Wünschen entsprechen. Die Betreuung wird längstens für 7 Jahre angeordnet und muss spätestens nach dem vom Richter angeordneten Zeitraum überprüft werden.

 

Während der Betreuung unterliegt der Betreuer der Kontrolle des Vormundschaftsgerichts. Diese Kontrolle spiegelt sich z. B. in den Genehmigungspflichten für freiheitsentziehende Maßnahmen wieder. Der Betreuer hat ggf. Berichtspflichten gegenüber dem Gericht hinsichtlich der persönlichen Situation des Betreuten und seines Vermögens zu erfüllen.

 

Für seinen Aufwand darf der ehrenamtliche Betreuer im Jahr eine pauschale Aufwandsentschädigung in Höhe von 323,- € geltend machen. Werden darüber hinaus Kosten in Ansatz gebracht, müssen die Aufwendungen im einzelnen belegt werden. Die Aufwandsentschädigung muss nach Ablauf eines Betreuungsjahres bei Gericht beantragt werden. Sollte der Betreute über kein Vermögen verfügen, übernimmt die Staatskasse die Kosten.

Die ehrenamtliche Betreuung eines kranken oder behinderten Menschen bedeutet eine große Herausforderung, ist aber eine dankenswerte Aufgabe und für den kranken Menschen und die Gesellschaft nicht verzichtbar.

 

Der persönliche Einsatz der Betreuer ist ein Geschenk an die Gemeinschaft, für das zu Recht Wertschätzung und Anerkennung erwartet werden darf.

Betreuer sollen bei dieser anspruchsvollen Aufgabe nicht alleine gelassen werden und können Rat und Hilfe bei den Betreuungsvereinen suchen.

 

 

Wir beraten Sie gerne, rufen Sie einfach an:
Ihr Betreuungsverein Main-Kinzig e. V., Tel.: 0 61 84/ 5 47 15 in Rodenbach oder unter 06661/1539231 in Schlüchtern

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Betreuungverein Main-Kinzig e.V

Hier finden Sie uns

Betreuungsverein 

Main-Kinzig e.V.

Geschäftsstelle Rodenbach
Am Altenzentrum 1
63517 Rodenbach

 

Betreuungsverein

Main-Kinzig e. V.

Geschäftsstelle Schlüchtern

Dreibrüderstraße 12

36381 Schlüchtern

Kontakt

Rufen Sie einfach an unter

 

06184/54715 in Rodenbach

 

oder nutzen Sie unser Kontaktformular